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am 12.02.2021 von Peter Tümmers von Schoenebeck

Doppelmoral statt integrer Führung in der Corona-Krise

Warum Friseure wieder öffnen dürfen.

Scham ist eine wirkstarke Emotion. Erwischt zu werden bei Vorteilsnahme ist für die Herrschenden seit jeher ein Problem: Denn wenn Ungleichbehandlung allzu sichtbar wird, droht Volkes-Zorn. Und wo wird sie sichtbarer als auf dem Kopf?

👉 Der Soziologe Peter Tümmers von Schoenebeck ist Experte für Strategieberatung bei ICO ImpulsConsult Oberstdorf und begleitet die Corona-Pandemi seit Beginn mit soziologischen Analysen.

💇‍♀Weder Fußballer noch Politiker wollen im Lockdown auf den smarten Auftritt verzichten. Und so treten Merkel und Söder auch bei der gestrigen Pressekonferenz zur Verlängerung des Lockdowns professionell vom Hairstylisten arrangiert auf. Söder weiß: der gelungene Auftritt ist die halbe Miete. Nichts wäre störender als Pressekommentare wie: „Die Frisur so unsortiert wie die Corona-Maßnahmen.“

Und so dürfen nun auch wir „Normalos“, bevor sich Volkes-Zorn entflammt, wieder zum Friseur, während andere Dienstleister geschlossen bleiben müssen. Was in diesen Zeiten eher gefordert wäre als Opportunismus, ist Integrität. Integer ist, wer persönliche Anliegen und Eitelkeiten zurückstellt zugunsten des gemeinsamen Themas. Integer ist, wer nicht nur von anderen fordert, sondern selbst mit- oder sogar vormacht.

👎 So ist der Leitsatz von Populisten „Wasser predigen und Wein trinken“ bei Ministerpräsident Söder speziell beim Thema Homeoffice zu beobachten. Während alle anderen aufgefordert sind, wo möglich auf Homeoffice zu schalten, trifft das auf sein Büro nicht zu. Hier liegt die Homeoffice-Quote nur bei ca. 20 Prozent. Der Chef will seine Leute halt sehen. Vertrauen und Vorangehen wären schön, Kontrolle und Extrawurst ist halt einfacher.

Eine positive Begleiterscheinung der Corona-Krise ist diese Entzauberung der politischen Elite: Sie kochen auch nur mit Wasser. Das wussten wir schon lange. Neu ist:

👉 Wir sind nun erstmals live und in Farbe Zeuge von Entgleisungen, die wir sonst vom Bierzelt, Fußballplatz und Stammtisch kannten. Zum Beispiel, wenn Ministerpräsident Stephan Weil aus Niedersachsen seine Kollegen im September nach einer Kanzleramtsrunde als „Voll-Pfosten“ beschimpft, weil diese, kaum aus dem Sitzungsaal heraus und trotz Loyalitätsvereinbarung, umgehend Interna an die Presse ausplaudern – wohl mit der Absicht, sich als die Guten darzustellen. Neuestes Stammtisch-Highlight: Unser Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der in dieser Woche die Impfstoffbestellung der EU unter aktuell deutscher Führung als so wörtlich „richtig sch***e gelaufen“ beschreibt. Dabei war unser „Bazooka-Mann“ Olaf Scholz in den Bestellvorgang eingebunden, schließlich gibt er die Rechnung frei. Er stand im engen Kontakt mit der deutschen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, deren Kabinettskollege er noch bis vor kurzem war. Ihre Handynummer hat er eingespeichert.

🤔 Nun mit markigen Worten öffentlichkeitswirksam auf Kosten der EU-Kommissionspräsidentin so zu tun, als sei man über die Art des Bestellvorganges nicht informiert gewesen, ist billiger Populismus. Oder macht sich bei „Bazooka-Scholz“ Panik breit? Dies klingt durch, wenn er weiter wörtlich ausführt, dass er keinen Bock habe, „dass sich die Sch***e in Deutschland jetzt wiederholt.“ Erst mitzumachen beim zugegebenermaßen bürokratischen Bestellvorgang, und dann – wenn sich am Vorgehen Kritik äußert – die verantwortliche Kollegin im Regen stehen zu lassen und gar zu beschimpfen, ist nicht integer. Loyalität sieht anders aus. Es riecht nach der Strategie „I cover my ass“, um das sprachliche Niveau von Olaf Scholz zu benutzen.

🎮 Auch sonst kann man den Respekt vor manchem hohen Amt verlieren: So wissen wir seit einem Leak von Ministerpräsident Ramelow, womit sich die Ministerpräsident*innen in den vielstündigen Bund-Länder-Beratungen im Kanzleramt so die Zeit vertreiben: mit Handy-Games. Er spiele unterm Tisch „Candy-Crush“, während Merkel und Co vortragen. Andere Ministerpräsidenten-Kollegen, so plauderte Ramelow weiter aus dem Nähkästchen, spielten „Sudoku“.

👉 Natürlich ist die Erregung jetzt groß. Und natürlich: keiner der anderen will dabei gewesen sein – so wie früher in der Schule. Doch seien wir mal ehrlich: Haben Sie sich nicht auch schon gefragt, was so viele kluge Menschen in 10- stündigen Sitzungen strategisch Neues erarbeiten sollten zu einem Thema, bei dem alle Fakten und Meinungen schon vorher jedem im Raum bekannt sind? Hingegen könnten offene Dialoge und kreative, erfolgreiche regionale Lösungsansätze erfrischen und die Liste der abgedroschenen Maßnahmen erweitern. Einige Regionen in Deutschland haben sehr niedrige Inzidenzen. Warum nicht auch von praxisnahen Bürgern lernen, die zwar nicht Institutsleiter und Professoren sind, aber erfolgreiche Ansätze der Corona-Bekämpfung vor Ort umsetzen. Stattdessen beginnt jede bisherige Bund-Länder-Runde mit mehrstündigen Vorträgen der altbekannten „Talk-Show-Wissenschaftler“, deren Thesen längst jedem bekannt sind. Anscheinend ist das Motiv der Krisen-Runde eher die Selbstvergewisserung des bisherigen Vorgehens als die Bereitschaft, sich auch einmal irritieren und inspirieren zu lassen von neuem Gedankengut.

Da helfen dann Sudoku und Candy-Crush, um einen solchen Tag des „wir drehen uns mal wieder im Kreise“, mit dem Vortäuschen engagierter Wachheit durchzustehen. Die Erkenntnis: Solch neues Insiderwissen über unsere herrschende Kaste, zu der wir bislang oft in großer Ehrfurcht aufgeschaut hatten, macht es leichter, auch unser eigenes problembeladenes Leben im Corona-Alltag zu ertragen.

So zum Beispiel als Lehrer, wenn die Schüler wieder mal im Online-Unterricht vorgeben, trotz sonstiger Hightech-Ausstattung leider nicht über eine Kamera zu verfügen, damit man sie auch sehen könnte. Tatsächlich – so wissen viele Eltern – sitzen die Kids oft einfach im Schlafanzug da oder liegen gar noch im Bett, während sich der Lehrer medial abmüht.

Wenn nun aber gestandene Ministerpräsidenten – oft mit Doktortitel und sonstigen Würden ausgestattet – unterm Tisch Sudoku spielen, während sich vorne Frau Merkel abmüht, sollten wir bei unserer Jugend getrost ein Auge zudrücken.

👉 Mit der Jugend können wir nachsichtig sein, von der nationalen Führungsriege wäre mehr zu erwarten: mehr Rückgrat, mehr Loyalität gegenüber den Kollegen*innen und mehr Integrität im Handeln.

Zum Artikel 'Weckruf für die Politik - Neue Corona-Strategie'

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