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am 18.12.2020 von Peter Tümmers von Schoenebeck

Weckruf für die Politik: Neue Corona-Strategie- Tübingen wird nationales Vorbild

Titelbild Komatöse Corona-Politik

Die deutsche Corona-Strategie liegt seit Monaten im Dornröschenschlaf. Nach einer kurzen offenen Debatte im März erleben wir seither ein passives Abwarten im Hoffen auf den Impfstoff.

Nun kommt wie im gleichnamigen Märchen „Prinz Boris Palmer“, Tübingens OB vorbeigeritten und die Nation erfährt, dass es in seinem kleinen Königreich schon seit einem halben Jahr eine gut funktionierende Strategie gibt. Hektisch stürzen sich jetzt Bundes- und Landespolitik in die Nachahmung. Wir von ICO berichteten bereits vor einer Woche über Tübingen, das mit großem Erfolg gegen den bundesweiten Strom schwimmt. In unserem letzten Artikel (Corona Lichtblick Tübingen) zeigten wir auf, wie die schwäbische Stadt es seit April schafft, mit praktischen Maßnahmen seine Infektions- und Sterbefälle weit unter Durchschnitt zu halten (für vulnerable Risikogruppen FFP2 Masken gratis, Taxi statt Bus, Schnelltests für Heimbesucher, Einkaufszeitfenster). Quasi über Nacht avancierte Tübingen zum Vorbild für die Landes- und Bundespolitik und wird im Eilverfahren kopiert. Was macht die Politik konkret daraus?

➡ Video-Links zu konkreten Maßnahmen aus: „ARD - Anne Will“ am Textende

👉 Der Soziologe Peter Tümmers von Schoenebeck ist Experte für Strategieberatung bei ICO ImpulseConsult Oberstdorf und begleitet die Corona-Pandemie seit Beginn mit soziologischen Analysen.

😕 Eher emotional als wissenschaftlich
Die Politik, die so viel auf ihre Wissenschaftlichkeit hält, hat seit dem Frühjahr emotional und nicht ziel- und sachorientiert gehandelt. Sie hat trotz einer – damals schon bekannten – 500fach höheren Gefährdung der Alten eine differenzierte Behandlung der vulnerablen Risikogruppen unterlassen, was durch weniger Schwerkranke für alle und vor allem für die Krankenhäuser eine Entlastung gewesen wäre. Wohl getrieben von der Sorge, durch eine unterschiedliche Behandlung sowohl die Alten als auch die Jungen zu brüskieren. Dabei waren wir im Frühjahr ganz knapp vor einer nachhaltigen Strategie, bevor das unselige Wort vom „Wegsperren der Alten“ die Runde machte und eine sachliche Debatte verhinderte. Dadurch wurden Menschen gefährdet und die Krankenhäuser mehr als notwendig belastet.

☹️ Applausometer-Politik
Das passiert, wenn man mit Blick auf das „Applausometer“ Krisenmanagement versucht. Nun wiederholt sich der Fehler an Weihnachten: denn obwohl nach den Pflege- und Altenheimen die Familien der Hotspot Nr. 2 sind, öffnet man generationsübergreifend für drei Tage die Schleusen. Aus Sorge um die Gunst der Bürger wird Weihnachten somit zum millionenfachen Cross-Generationen-Spreading-Event. Denn hier begegnen sich mehrere Generationen und dies häufig noch regional durchmischt auf engstem Raum. Quasi als Klischee der viel zitierten, viel geschmähten „türkischen Hochzeit“, nur mit 80 Millionen statt einigen hundert. Ein weiteres Mal reißt die Politik aus emotionalen Gründen mit dem Hintern ein, was sie mühevoll mit den Händen aufgebaut hat. Tübingens OB Boris Palmer, über den ICO letzte Woche schon berichtete, war immer schon vom Imagegetriebenen Anbiedern weit entfernt. Während sich Bundes- und Landespolitik darauf konzentrierten, alle Bevölkerungsgruppen mit einem Kollektiv-Konzept zufrieden zu stellen, schützt Tübingen seit Monaten konsequent die Alten und somit auch die medizinische Ressource vor Überlastung. Tübingen verfolgt damit einen radikal anderen Ansatz als bislang die Bundespolitik.

Zitate zeigen den strategischen Unterschied:
💬 „Was für alle gilt, ist gerecht.“ - Markus Söder, MP Bayern
💬 „Die Verwechslung von Differenzierung und Diskriminierung ist eines der Probleme der Politik.“ - Boris Palmer, OB Tübingen

💡 Praktiker als die wirklichen Experten: Dr. Lisa Federle
Über Nacht ist der zum Eigensinn neigende Tübinger OB Boris Palmer, seit Jahren „persona non grata“ in seiner grünen Partei und auch sonst als politisches „Schmuddelkind“ behandelt, für ARD und ZDF salonfähig geworden (siehe Youtube-Links anbei). Plötzlich wird Tübingens Beispiel quer durch die Republik als Vorbild gerühmt, die Tübinger Notärztin und DRK-Präsidentin Lisa Federle - eine Frau der Praxis - als Vorreiterin gewürdigt. Die Ministerpräsidentinnen von Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern, Malu Dreyer und Manuela Schwesig, wiesen ihre Gesundheitsämter an, Tübingens zum Vorbild zu nehmen (siehe TV-Ausschnitte anbei). Gesundheitsminister Spahn stiftet nun jedem Ü65-Jährigen drei FFP2-Masken, kostenfrei abzuholen in der Apotheke. Was im Frühjahr noch einen Shitstorm auslöste – Junge und Alte zum Nutzen aller unterschiedlich zu behandeln – darf jetzt offen thematisiert werden. Der Weg ist frei, am 10. Januar endlich mit einer langfristigen Strategie zu beginnen. Umso wichtiger, als das ausgewiesene Shutdown-Ziel, Inzidenzzahl von 50, unrealistisch ist. Um das Virus unter Kontrolle zu bekommen, wäre ohnehin eine Zahl zwischen 10 und 20 nötig - eine Utopie. Das wissen natürlich auch die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten. Sie spielen auf Zeit und zugleich ist ihnen klar, dass sie die Karte Shutdown nicht dauerhaft spielen können, bis sie und uns der Frühling rettet. Über die Jahreswende hat die Politik jetzt Zeit für ein wirkliches Konzept. Die Bausteine liegen bereit: Tübinger Methoden, Tracking-Apps und die Impfstoff-Hoffnung.

🎯 Ziele statt Fixierung auf Inzidenz 50
Hoffentlich schafft die Politik es dabei, die Fixierung auf die ohnehin illusorische Inzidenzzahl 50 aufzugeben und andere Zahlen in den Fokus zu nehmen. Denn die nackte Zahl sagt wenig aus. Warum: Eine Inzidenzzahl von 200 mit vielen Alten löst eine völlig andere medizinische Belastung aus als dieselbe Inzidenzzahl mit vielen Jungen. Eine Strategie, die unsere wertvolle medizinische Ressource schonen will, muss beginnen, auf solche Unterschiede zu achten. Die Politik ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und „liefert“ im neuen Jahr. Hoffentlich...

➡ Quellen: TV-Ausschnitte Anne Will (ARD) vom 13.12.2020
(Video verfügbar bis 13.12.2021, Sprungmarken funktionieren nur am PC)

❗️Konzept Tübingen als Vorbild, erklärt von Boris Palmer & Dr. Lisa Federle: Ab 41:37 min

❗️Ministerpräsidentin Schwesig schwenkt auf Tübinger Modell um: Ab 46:33 min

❗️Prof. Nida-Rümelin (Deutscher Ethikrat) fordert differenzierte, fokussierte Strategie: Ab 49:26 min

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