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am 26.04.2021 von Peter Tümmers von Schoenebeck

"Zersetzung der Wehrkraft." Künstler stören den sozialen Corona-Frieden

#allesdichtmachen

Zu was sich etwa 50 Schauspieler und Künstler am Wochenende getraut hatten, hätte man im 2. Weltkrieg als „Zersetzung der Wehrkraft“ bezeichnet. Sie hatten gewagt, ironisch Kritik an der aktuellen Coronapolitik in Deutschland zu üben. Nachdem dies schon seit Monaten auf sachlicher Ebene nicht mehr möglich ist, ohne nicht sofort als Querdenker oder wenigstens als sympathisierender Unterstützer stigmatisiert zu werden, taten sie das mit dem letzten Mittel, das einem im kritischen Dialog bleibt, wenn der sachliche Austausch verschlossen ist: mit Ironie und Satire. Das blieb nicht ungestraft.

𝘋𝘦𝘳 𝘚𝘰𝘻𝘪𝘰𝘭𝘰𝘨𝘦 𝘗𝘦𝘵𝘦𝘳 𝘛𝘶̈𝘮𝘮𝘦𝘳𝘴 𝘷𝘰𝘯 𝘚𝘤𝘩𝘰𝘦𝘯𝘦𝘣𝘦𝘤𝘬 𝘪𝘴𝘵 𝘌𝘹𝘱𝘦𝘳𝘵𝘦 𝘧𝘶̈𝘳 𝘚𝘵𝘳𝘢𝘵𝘦𝘨𝘪𝘦𝘣𝘦𝘳𝘢𝘵𝘶𝘯𝘨 𝘣𝘦𝘪 𝘐𝘊𝘖 𝘐𝘮𝘱𝘶𝘭𝘴𝘦𝘊𝘰𝘯𝘴𝘶𝘭𝘵 𝘖𝘣𝘦𝘳𝘴𝘵𝘥𝘰𝘳𝘧 𝘶𝘯𝘥 𝘣𝘦𝘨𝘭𝘦𝘪𝘵𝘦𝘵 𝘥𝘪𝘦 𝘊𝘰𝘳𝘰𝘯𝘢-𝘗𝘢𝘯𝘥𝘦𝘮𝘪 𝘴𝘦𝘪𝘵 𝘉𝘦𝘨𝘪𝘯𝘯 𝘮𝘪𝘵 𝘴𝘰𝘻𝘪𝘰𝘭𝘰𝘨𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘈𝘯𝘢𝘭𝘺𝘴𝘦𝘯.

Wenn ein Land im Krieg ist - oder sich in einem solchen empfindet - wird die Zündschnur kurz. Nicht nur bei den Nazis (ohoho – darf der Autor das jetzt???) war jegliche Kritik an der Kriegspolitik unerwünscht. Die Franzosen waren auch nicht viel besser. So wurde zu Kriegsbeginn 1914 in Paris ein Journalist nach einem gerichtlichen Eilverfahren standrechtlich erschossen: Begründung: „Friedenshetze“. Der gute Mann hatte zur Besinnung aufgerufen, bevor man in einen großen Krieg schlittere. Übrigens: der Hitlerattentäter und Widerstandskämpfer Graf Schenk von Stauffenberg wird heute gefeiert, galt den Deutschen aber bis in die 70er Jahre als Vaterlandsverräter. Ich weiß das aus erster Hand, habe ich doch zusammen mit einem Stauffenberg-Enkel studiert, der mir von der Stigmatisierung seiner Familie berichtete, die er als Kind bis in die 80er Jahre erlebte. Wie sich der Wind dreht und wie kurz unser kollektives Gedächtnis doch ist.

Lektion psychologisch betrachtet: Kaum ist der Pulverdampf verraucht und man betrachtet die Situation mit einigem emotionalen Abstand, übernimmt zusehends das „Emotionalhirn“ wieder die Regie. Vernunft und Besonnenheit kehren zurück. Das „Stammhirn“ mit seiner Kriegsrhetorik, das nur schwarz oder weiß kennt, verkriecht sich wieder in seine neuronale Höhle. Aktuell herrscht jedoch in Deutschland kollektive Stammhirn-Stimmung.

#allesdichtmachen scharf kritisiert

Nun sind 50 gutmeinende deutsche Fernsehstars, die mit ironischen Videos unter dem Hashtag #allesdichtmachen zum Nachdenken anregen wollten, zwischen die Corona-Kriegsparteien geraten.

Jan Josef Liefers, bekannt vom „Tatort“ als Prof. Börne, erhielt Morddrohungen und musste von der landesweiten Coronabekämpferin Nr. 1, Dr. Lisa Federle aus Tübingen - dafür inzwischen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet - im TV in Schutz genommen werden. Jan Josef Liefers blieb auch im Shitstorm standhaft und verteidigte seine Haltung und Kritik, anders als viele seiner Kolleginnen und Kollegen wie Tatortkommissarin Ulrike Volkerts oder Heike Makatsch die - wohl unter massivem Druck des öffentlich-rechtlichen Medienrates und ihrer Produktionsfirmen - ihren zuvor wohlüberlegten Schritt nun als Fehler bezeichnen und sich entschuldigen.

Man darf mutmaßen, dass weniger plötzliche Einsicht die Ursache dafür ist als vielmehr der hastige Versuch, die letzten Reste der persönlichen Reputation oder gar den Arbeitsplatz als Tatort-Kommissar zu retten. Geschuldet der öffentlichen Verurteilung bis hin zu Morddrohungen. Die nun vorgetragenen Entschuldigungen wirken unglaubwürdig und als Versuch, die eigene Haut zu retten. Schließlich waren die Videos nicht im Affekt aufgenommen worden, quasi aus einer Laune heraus, sondern sorgfältig überlegt, abgewogen, mit Management und Beratern auf Wirkung und Konsequenzen überprüft worden.

Warum reagiert die deutsche Öffentlichkeit auf einen solchen satirischen Beitrag – der eine besser der andere schlechter gemacht - so aggressiv und verurteilend?

Warum brach über den Wagemutigen der Shitstorm los und führten die Videos zu Vorwürfen wie: „Verhöhnung der Opfer, Unterstützung von Coronaleugnern, Covidioten und der AfD.“?

Schauen wir uns die Sachebene an

Was die Schauspieler gewagt hatten: Unter dem Hashtag #allesdichtmachen hatten sie die Alternativ- und Ideenlosigkeit der deutschen Coronapolitik kritisiert, indem sie mit dem immer stärker geforderten „Total-Lockdown“ ironisch bis zynisch gedanklich spielten. Darf man das oder ist das bereits Coronaleugnen. Nun – wie so oft hilft der Blick über den Tellerrand.

Norwegen und die Schweiz sind keine verantwortungslosen covidiotischen Völker von Aluhutträgern, sondern gelten als besonnen. In beiden Ländern werden das Prokopfeinkommen, der Glücksindex und der medizinische Standard statistisch höher bewertet als in Deutschland. Dennoch ist dort nicht #allesdichtgemacht. In beiden Ländern liefen bis Ostern die Skilifte und die Restaurants sind geöffnet. Auch ein Kulturangebot gibt es. Und geordneten Schulunterricht – im Gegensatz zu uns. Das Ganze nicht bescheuert oder coronaleugnerisch, sondern mit strengen Auflagen. Es geht also doch auch anders!

Übrigens liegen beide Länder auch in der Rangliste der Pressefreiheit vor Deutschland, das letztes Jahr von international Platz 11 auf 13 abgerutscht ist.

Der kollektive moralisierende Aufschrei und der massive Druck auf „Andersdenkende“, die im Rahmen der Kunstfreiheit mit einem kritischen, in der Sache aber vertretbaren Impuls (siehe Norwegen und Schweiz) einen Dialog anstoßen wollten, muss uns Sorgen machen. Was sich breit macht ist ein Versuch der „Gleichschaltung des Denkens“. Ja, das Wort ist hässlich und wieder stellt sich die Empörungsfrage: „Ohohoho – darf der Autor so ein böses vorbelastetes Wort für unsere heile Welt benutzen und ist er nun auch ein Covidiot?“

Genau solche Katalogisierungen führen in die Irre, sind aber sozio-psycho-logisch:

Der Wunsch von den aktuell um sich greifenden „Gut-Böse-Schubladen“ entspringt dem sog. 𝗙𝗶𝗴𝗵𝘁-𝗙𝗹𝗶𝗴𝗵𝘁-𝗙𝗿𝗲𝗲𝘇𝗲-𝗠𝘂𝘀𝘁𝗲𝗿 des o.g. „Stammhirnes“. Der unbewusste Wunsch ist, in der Bedrohung durch Vereinfachung die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Doch sind nach einem Jahr Pandemie differenziertere Reaktionen zu erhoffen, bevor die Polarisierung der gesellschaftlichen Lager weiter fortschreitet. Denn sollten uns in der Krise irgendwann tatsächlich die Ressourcen ausgehen, dürfte das Hauen und Stechen, das im Moment nur verbal ausgetragen wird, handfestere Züge bekommen.

Als Lektion aus den Weltkriegen wurde der Slogan: „Wehret den Anfängen“ erfunden. Über die Anfänge im methodischen Abwertungsdialog des Andersdenkenden sind wir längst hinaus. Längst herrscht eine halbautomatische Abwertungsrhetorik, die jede Mitte, jeden kreativen Gedankenanstoß, jedes Infragestellen des Konsens, verdächtig macht und wortgewaltig in ein radikales Außen schieben will. Psychologisch verständlich und zugleich soziologisch fatal: denn das menschliche Gehirn liebt in der Unsicherheit einfache Schwarz-Weiß-Zuweisungen. Psychologisch vermitteln sie ein Gefühl der subjektiven Klarheit, soziologisch verhindern sie differenzierte Lösungen.

Aus dieser sozio-psychologischen Falle müssen wir entkommen: Durch mehr Besonnenheit und mehr Respekt für den anderen und dessen Sichtweisen.

Ein einfacher mentaler Trick kann helfen, der in der Kindeserziehung als bewährtes Hausmittel vor Überreaktionen hilft. Langsam bis 10 zählen, dann erst reagieren.

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